Runen Meditation - wie du mit Runen beginnst.

Veröffentlicht am 22. März 2026 um 20:56

Beitrag von Litha: 

was ist Runen Meditation wirklich?

Fällt der Begriff „Runenmeditation“ und „Runenreise“, wird häufig der Eindruck vermittelt, dass man sich dabei am besten die Runen aufmalt, oder ein Runenset dazu nimmt. Runen aber einfach so anzuwenden, ohne eine klare Verbindung zu ihnen zu haben, macht die eigentliche Runenmeditation oft nur schwieriger. Das Missverständnis ist folgendes:

Runenmeditation“ ist nicht das Meditieren mit Runen, sondern das Meditieren zu den Runen hin.

  • Man muss zu Beginn noch keine konkrete Vorstellung haben, was Runen eigentlich sind - das kommt mit der Zeit automatisch.
  • Man braucht noch kein Runenset. Runenset ohne Runenverbindung ist wie Buch lesen, ohne lesen können. Erst lernt man „lesen“ – und danach kann man den Inhalt erfassen. Wenn Fragen auftauchen, während wir Bücher lesen, stellen wir oft fest, dass sich die Fragen später im Buch von ganz alleine beantworten. So ist das auch auf der Runenreise.
  • Man braucht keine Hautbemalung. (Oder deutlicher: lieber Finger weg von Hautbemalung, bis der eigene Weg mit den Runen klar geworden ist.)
  • Man braucht keine Energie-Übungen mit Runen, um sich auf eine Runenmeditation einzustimmen. (Das fördert mit hoher Wahrscheinlichkeit Unklarheit, verändert die Ausgangslage, stiftet Verwirrung unter den Runen, und erschwert Interpretationen.)
  • Es ist nicht nötig, sich in den Schneidersitz zu setzen, Fingerpositionen zu halten und die Ruhe zu bewahren, bis der Rücken schmerzt. Wer darin Übung gefunden hat, kann das wunderbar nutzen, doch die Möglichkeiten sind sehr viel umfangreicher und eine bestimmte Position ist keine Voraussetzung. Für manche funktioniert es - für andere ist es hinderlich.
  • Was man auch nicht braucht sind feierliche Rituale und Zeremonien. Einfache Runenmeditationen sollen alltagstauglich bleiben.

Mit Runen meditieren lernen: Der Einstieg

Für eine Runenmeditation (nicht gleichbedeutend mit schamanischem Reisen) braucht es nur drei Dinge: 

  • Eine Vorstellung davon, wie die Rune aussieht.
  • Eine Vorstellung von ihrem Aufgabenfeld.
  • Und einen Moment Zeit für euch zum Durchatmen.


Was man in einer Meditation normalerweise erreichen möchte, ist einen ruhigen, aber präsenten Zustand der Achtsamkeit, in dem man sich selbst beobachten kann. Gedanken und Emotionen, die aufkommen, werden wahrgenommen, aber ziehen vorüber wie Wolken am Himmel – bis der ganze Himmel geklärt ist. Ein wunderbarer Zustand, in dem sich Körper und Geist entspannen können.

Dieser Zustand kann eine Runenmeditation erleichtern (manchmal auch erschweren), ist aber keine Voraussetzung, um mit Runen Kontakt aufzunehmen. Runenmeditation könnte man auch „Tagträumen mit Runen“ nennen. Ein wichtiger Unterschied ist dabei hervorzuheben: Gedanken und Gefühle sind erwünscht. Sie ziehen nicht vorbei – sie werden direkt zu den Runen „gesendet.“ Es ist, als teilt man mit einem guten Freund was gerade in einem selbst vorgeht – ehrlich und intim. Das geht beim Spazieren gehen, beim Baby stillen, beim Holz hacken, bei der Pipipause und sogar beim Abwasch machen. Mit etwas Übung kann man überall mit den Runen meditieren.

Wer als Kind also gerne „Träumerli“ genannt wurde, ist der perfekte Kandidat für diese Art Runenmeditation. Da wir alle mehr oder weniger visuell veranlagt sind, schreibe ich hier vor allem über Tagträumen mit (zumindest ansatzweise) bildlicher Vorstellungskraft. Es gibt auch Menschen, die gar keine Bilder sehen. Da kann es sein, dass ein anderer Zugang sehr stark veranlagt ist, oder das Visualisieren einfach etwas Übung braucht. Es gibt vielfältige Zugänge. 

Schritt 1: Die Linien der Rune wirken lassen

Wenn noch gar keine Idee von einer Rune da ist, ist das ein guter erster Schritt:
Das Symbol der Rune ansehen und wahrnehmen, ob dadurch schon ein erster Eindruck entsteht. Am deutlichsten wird es bei Uruz: zwei stehende Linien, die mit einer schrägen Abwärtslinie verbunden sind. Man könnte sagen: Uruz „steht mit zwei Beinen fest auf der Erde“ und hat einen „Rücken“, der zur Erde hin „ableitet“. Solche ersten Eindrücke wären ein toller erster Stichpunkt in einem Meditationstagebuch. Gerade am Anfang macht es Sinn, sich die ersten Gedanken, Eindrücke, Gefühle und Bilder zu den Runen schriftlich festzuhalten. Auch Fragen, die auftauchen. Oft ergeben die Dinge erst später einen Sinn – und das kann überraschende Wendungen bringen. Solche Eindrücke verfliegen im Alltag leider genauso schnell, wie sie gekommen sind.

Schritt 2: Eine kurze Übersicht verschaffen, worum es bei einer Rune geht

Das „Fachgebiet“ ansehen, für das die Rune zuständig ist. Hier nehme ich mal Fehu, die erste der 24 Runen aus dem alten „Futhark“. Die folgende Kurzinfonreicht völlig, um mit Fehu viele Runenmeditationen zu machen. 

(Bücher, die jede Rune ausführlich in längeren Ausschweifungen, Erklärungen und mit allerlei Zuordnungen beschreiben, sind für eine Runenmeditation hinderlich. Die wenigsten Menschen können sich von Gelesenem wieder so frei machen, dass sie die Rune danach noch selber gut empfangen können.)

 

Fehu (Vieh) Phonetisch: F

Bedeutung: Besitz, Wohlstand, Ansehen

Meditation: Fehu ist die ausgleichende Kraft im Kampf zwischen Feuer und Eis. Ihre Energie ist ungebärdig und chaotisch. Wir erkennen die Urkraft der Runen.

Anwendung: Talisman für materielles Wohlergehen und gesellschaftliches Ansehen. Fehu muss jedoch sehr behutsam eingesetzt werden. Sie wirkt nicht nur ausgleichend zwischen Feuer und Eis, sondern auch zwischen Gier und Genügsamkeit, Bescheidenheit und Hochmut usw. Da der Runer nicht immer zuverlässig die Motivation desjenigen erkennen kann, für den er einen Talisman anfertigt, kann sich die gewünschte Wirkung ins Gegenteil wenden. Fehu sollte nicht ohne Bezug zu Uruz angewendet werden.

Schamanisch: Der wahre Reichtum eines Menschen liegt in seinem Charakter, seinen Fähigkeiten und seiner Kreativität.
Fehu bildet die Grundlage zur Erlangung spirituellen Reichtums. Sie mahnt uns aber auch, unseren Reichtum zu teilen.
Die Hautbemalung mit Fehu ist ein heiliger Eid, die Kraft der Runen zum Wohle der Menschen und der Mutter Erde einzusetzen.

Schritt 3: Die Runenmeditation - Fantasie oder echte Runenverbindung?

Man greife sich einen Aspekt heraus, wie: „Fehu ist die ausgleichende Kraft im Kampf zwischen Feuer und Eis.“

Damit lässt es sich prima träumen:

Stell dir vor, du blickst in den Ginnungagap – den Ort zwischen der Eiswelt Niflheim und der Feuerwelt Muspelsheim. Feuer und Eis treffen unmittelbar aufeinander – urgewaltig, wie zwei große Giganten, alt und mächtig. Feuer schmilzt Eis, Wasser lischt das Feuer, aber keine Seite kann die Oberhand gewinnen. Du kannst dir vorstellen, wie du dich dort mitten hinein wagst – denn dort findest du Fehu. Fehu ist die Energie, die diese Kräfte im Gleichgewicht hält. Vielleicht kannst du es fühlen, oder Fehu nimmt für dich eine erste Form an – und das kann alles möglich sein.

Gerade zu Beginn taucht an dieser Stelle oft die Unsicherheit auf: „War das jetzt die Rune, oder war das meine Fantasie?“ Die Frage ist leicht beantwortet: Eine gute Portion Fantasie gehört mit dazu - wir brauchen sie als Übersetzer. Es kann sein, dass man ganz weltliche Dinge sieht, wenn man an eine Rune denkt. Menschen, Orte, Tiere, Pflanzen oder vielleicht sogar Gegenstände. Es kann aber auch sein, dass man einen Ork aus „Herr der Ringe“ vor Augen hat, oder den Gartenzwerg aus Nachbars Garten, ein berühmtes Fabelwesen oder gar einen Gott. Hier kann man schnell hinein interpretieren, dass man gerade Thor persönlich begegnet ist, oder auf dem Rücken eines echten Drachenwesen geritten ist!

Doch in den meisten Fällen ziehen die Runen einfach solche Bilder heran, weil man sie (oft auch unterbewusst) mit bestimmten prägnanten Eigenschaften verbindet, die das Wesen der Rune gut repräsentieren. So machen sich jedem die Runen auf seine ganz persönliche Weise verständlicher. Es ist also vollkommen in Ordnung mit solchen Bildern zu arbeiten und es ist auch in Ordnung, wenn du das Gefühl da ist, dass zunächst der Verstand dieses Bild ausgewählt hat. Ist es ein passendes Bild, wird es irgendwann beginnen, sich selbstständig zu machen.

Auffällig ist auch, dass sich solche Momente zu häufen beginnen, in denen man denken könnte: „Jetzt spinne ich doch!“. Es ist sinnvoll, auch diese unbestimmten Eindrücke stichpunktartig in einem Meditationsbuch festzuhalten. Schon der Wunsch nach der Verbindung mit den Runen und der Entschluss zu einer Runenreise öffnen die ersten Türen. Wer sich zuvor nie oder selten an die nächtlichen Träume erinnern konnte, wird vielleicht die Erfahrung machen, dass die Träume wieder intensiver werden und besser in Erinnerung bleiben. Auch wenn zu dem Zeitpunkt noch nicht das Gefühl präsent ist, mit den Runen eine Verbindung zu haben, zeigt sich bereits in solchen Vorboten die wachsende Runenverbindung.

Wer über das Visualisieren bereits einen leichten Zugang zu den Runen findet, erlebt vielleicht zu Beginn sogar einen kleinen Ansturm von Runen, die sich noch nicht zuordnen lassen. Und schon gibt es Fragen über Fragen: „Ist das eine Rune (und wenn ja, welche)?“, „Ist das ein Krafttier?“, „Ist das ein Zeichen?“ …
Eine wirklich zufriedenstellende Antwort gibt es hierauf nicht. Ich bekam immer nur die frustrierende Antwort: „Hab Geduld“. Heute weiß ich, dass das die einzig vernünftige Antwort auf diese Fragen ist. Nur ein erfahrener Schamane könnte diese Dinge für andere Menschen im direkten Kontakt genauer differenzieren. Zum einen gibt es allerdings nur sehr wenige, die das tatsächlich können und zum anderen bleibt die Frage offen: Wozu? Mit der Zeit werden die Dinge klarer und die Antworten kommen automatisch, manchmal vielleicht erst ein halbes Jahr später. Dafür ist es hilfreich, wenn man sihc die Dinge aufgeschrieben hat.

Damit wird klar: Runen zeigen sich sehr individuell, immer dem eigenen Wesen entsprechend. Liegt ein sehr sanftes Wesen zugrunde, wird man in einer Rune vielleicht einen Schmetterling erkennen, während jemand anderes in der gleichen Rune den Sensenmann sieht. Man kann sich dann darüber streiten, wer von beiden das Wesen der Rune besser erfasst hat, oder die Gemeinsamkeit entdecken: beide Bilder teilen sich den Aspekt der Transformation und des Übergangs. Man muss sich also nicht verunsichern lassen, wenn man etwas völlig anderes sieht. Vielleicht wird es aber auch überrascht sein, etwas ganz Ähnliches wahrzunehmen wie viele andere Menschen auch.

Dabei ist zu beachten: Das Aufgabenfeld der Rune ist nicht mit ihrem Wesen gleichzusetzen.
Nauthiz verursacht nicht die Not, sondern ist die Rune, die mit der Not am besten umgehen kann. In der tiefsten Not wird sie zu genau dem Begleiter, den es braucht, um den zündenden Funken im Inneren zu finden, der aus der Not heraus führt.

Und wenn es nicht klappt? Warum Geduld in der Runenpraxis entscheidend ist.

Wenn unsere Stressbelastung im Alltag sehr hoch ist, machen wir manchmal alle Kanäle zu. Zudem befinden wir uns alle dann und wann auch in natürlichen, rhythmisch bedingten „Kokon-Phasen“. Die Runen sind in diesen Phasen nicht weg, aber die eigenen Antennen sind dann alle eingefahren.

  • Manchmal hilft ein Waldspaziergang, oder ein Spaziergang am Fluss. Ein stilles Plätzchen suchen, mal inne halten, mal tief durchatmen und die Schultern mal locker lassen. Das kann ausreichen – und schon fühlt es sich ganz anders an.
  • Sich mit der Erde verbinden: da reicht ein Baum oder ein Moosbett
  • Sich mit dem Wasser verbinden: Hier hilft der Regen, ein Bächlein, oder die einfache Wasserreinigung: Mit den Händen Wasser schöpfen, das Gesicht benetzen und dabei denken: „ich reinige mich mit dem Wasser des Urdbrunnens“.
  • Manchmal braucht es auch erst mehr Ordnung – im Außen und Innen.
  • Manchmal braucht es keine Stille, sondern Rhythmus… trommeln, Musik, das Treten der Fahrradpedale oder die Verbindung mit den Naturrhythmen (z.B. über ein schamanisches Jahr)
  • Manch einer findet einen kleinen Anker für sich, mit dem er leichter in die Runenmeditationen findet. Oder einen Ort als Anker, an dem es immer leichter wird, je häufiger man dort ist.
  • Manchmal ist es auch einfach nicht die passende Rune für den Moment. Dann kommen andere Momente, in denen sich die Rune doch plötzlich zeigt (Wenn es mehr dem Gebiet der Rune entspricht). In dem Fall kann man nur entspannt abwarten, bis sich andere Situationen auftun. Vor allem emotional. Wer die eigenen Gefühle und Emotionen verschließt, wird keinen Zugang zu den Runen finden.


Das Wichtigste ist also: Geduld haben und liebevoll mit sich selbst bleiben. Es ist für jeden möglich. Ein Runenset macht erst Sinn, wenn die Verbindung da ist. Wer dabei Hilfe sucht, schreibt uns gerne eine Nachricht. 

ehemaliges Runenset im Lederbeutel

Bild: ein ehemaliges Runenset, das bereits getilgt worden ist. So wie ein persönliches Runenset nicht in die Hände anderer Menschen gehört, so wird es auch möglichst wenig fremden Blicken ausgesetzt. Denn: "Der Blick der anderen ist nicht immer böse, doch er ist eine Berührung, und jede Berührung ist eine kleine Verschiebung." (aus den kanonischen Lehrrollen)