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Für uns ist es mehr als nur Fantasy
Eine persönliche Geschichte über uns
- erzählt von Litha
"Glaubst du daran? Die Götter, die Walküren und all das?"
Diese Frage hören wir oft.
Ich selbst hatte es sehr lange Zeit vermieden, Rewa diese Frage zu stellen, denn ich liebte die Auszüge aus seinen „Fantasygeschichten“, die er mir damals über die Ferne schickte. Geschichten über Utgard, die Walküren und die Thoraner, die er bis dahin noch meist für sich selbst behalten hatte.
Es bewegte sich etwas Unerklärliches in mir, wenn ich seine Zeilen las. Es zog mich dort hinein. In eine Welt, von der ich damals glaubte, dass sie leider nur in dem Kopf eines alten Genies existierte. Und dennoch war es, als würde ein loses, verlorenes Band in mir, das hier keinen Anschluss fand, endlich wieder an eine Ordnung anknüpfen, die ich nicht begreifen, aber fühlen konnte. „Aber es fühlt sich so vertraut an!“, dachte ich oft zu mir selbst, als ich versuchte, mir selbst meinen aufkeimenden „Realitätsverlust“ schönzureden. Wann immer es möglich war, träumte ich mich mit den Runen dort hinein.
Mein Schlüsselerlebnis
Einer dieser Träume fühlte sich überwältigend schön an. Ich spürte mich dabei sehr stark. Ein erstes Gefühl – eine Hoffnung (?) – nein, ein erster Schritt, den ich setzte. Denn ich wusste plötzlich wer ich eigentlich bin. Es war wie ein offenes Tor zu mir selbst - ohne beschreiben zu können, wer ich bin, oder welches Leben, welche Arbeit wirklich zu mir gehört. Diese ganzen Fragen, die ich mir sonst stellte, waren in diesem Moment nicht da – auch keine Antworten darauf. Ich war einfach – ohne das Suchen und Benennen. Für diesen einen Augenblick hatte ich mich gefunden. Das war ein unglaublich befreiender, glücklicher Moment. Aus diesem Moment heraus entstanden Bilder und Möglichkeiten. Und wie von selbst wanderten im gleichen Zuge meine Gedanken zu den Walküren. Ich dachte an Walburga, von der Rewa manches Mal Geschichten geschrieben hatte. „Wally“ nannte er sie liebevoll. Still in mich hinein, sprach ich ihren Namen. Nicht nur, weil ich mir wünschte, dass sie wirklich existierte. Sondern mehr, weil ich mir wünschte, dass sie diesen Moment bezeugte.
5 Minuten später war ich bei der S-Bahn angekommen und fuhr – wieder mitten in der stickigen Realität angekommen, nach München in meine damalige Arbeit. Doch es war nicht wie immer. Etwas hatte sich verändert. Ich erzählte niemandem von diesem stillen Moment, der für mich heilig war.
Am nächsten Morgen aber schrieb Rewa mich an – und wie nach einem Kometeneinschlag zerbarst mein ganzes weltliches selbst geformtes Geflecht. Gleichzeitig war ich bereits getragen von allem, was darunter lag und was längst im Unsichtbaren gewachsen war.
Ich hätte mit Walburga geredet. Sie würde mich beim Wort nehmen. Rewa kannte Details aus meinem Traum. Woher konnte er das wissen?
Was ich geträumt hatte, war plötzlich gesetzt.
Es war der Moment, in dem ich meinen Namen erhielt. Litha Menan, „das Mondlicht über dem Mittsommerfest.“ Nicht nur ein Name. Auch eine Richtung, die mein innerer Kompass bereits kannte. Eine Aufgabe, die nie benannt wurde und sich doch mit mir verband. Und ein Gewicht, das damals noch keine Worte fand – und heute erst ein Bewusstsein. Ein leuchtendes JA in meinem Herzen, keine Fragen. Viele Fragen. Keine Antwort. Nur das, was in in meinem Innersten ohne Worte antwortete.
Was die Geschichten wirklich sind
Schon lange wollte Rewa mir erzählen, was die Geschichten für ihn wirklich sind, doch er tat es nicht. Dinge, die zu früh ausgesprochen werden, verändern den Weg, oder beenden ihn, noch bevor er gegangen wird.
Ich gehörte zu den skeptischen Menschen. Ich liebte die Dinge, die Rewa mir erzählte. Mein Innerstes rief „Ja!“, aber mein Verstand schüttelte manches Mal den Kopf. Als gelernte Ergotherapeutin, deren Interesse der Psyche galt, hatte ich ein besonderes Auge darauf, ob er nicht vielleicht einfach nur „verrückt“ ist. Doch Rewa ließ sich nirgendwo einordnen und auch wenn ich mitbekam, was andere über unsere wachsende Verbindung dachten („Linda lässt sich voll von diesem Kerl beeinflussen!“), kam die Entscheidung, seinem Einfluss nachzugeben, aus einem der schönsten Gefühle heraus, die ich heute kenne: dem Gefühl von „endlich zu Hause sein.“
Als er mir schließlich anvertraute, dass seine Familie schon lange von Walküren begleitet wird, konnte etwas in mir bereits Vertrauen fassen. Schon seit seiner frühesten Kindheit war Walburga ein wichtiger Teil von Rewas Leben.
Irgendwann begann er, zu schreiben. Er wusste nicht, wofür. Auch er fühlte sich einfach gezogen. Manchmal sogar gedrängt. Und einige Male war er sich sicher, dass das, was er auf sein Papier geschrieben hatte, zwar aus seiner Hand, aber nicht aus ihm selbst stammt.
Über die Worte, die
Vor ein paar Tagen habe ich die ersten Seiten des Testdrucks der „Chronica Valkyrja“ gelesen. Ich bin erst auf Seite 13. Ein „altes Projekt“ sagte er, das er zuvor nicht abschließen konnte. Es fehlte ein wichtiger Schlüssel. Nun hat er es wieder rausgekramt, um es in unserer gemeinsamen Energie fertig zu stellen. Und da war sie doch wieder, die alte Skepsis, die das einfach nicht glauben konnte. Es war ein ganz anderer Schreibstil, als ich ihn von Rewa kannte. Stammt das wirklich aus seiner Feder?
Doch in mir existiert etwas Neues. Etwas Verlässliches. Eine Einheit von Herz, Verstand und Bauchgefühl. Und diese Einheit war beim Lesen tief berührt. Nicht auf die übliche Weise, wie ich es sonst von mir kenne, wenn gleich die Tränen purzeln. Das Gegenteil passiert: Ich atme tief. Ruhe kehrt ein, Klarheit kehrt ein und Aufmerksamkeit. Wieder das Gefühl von „zu Hause sein“, ich spüre mich selbst. Als berührt es eben jenes Gefüge in mir, das damals auf meinem Weg zum Bahnhof erste Formen annahm. Damals, als ich Walburgas Präsenz zum ersten Mal fühlte.
Bei diesem einen Mal blieb es nicht, schon beim zweiten Mal nahm ich ihre Anwesenheit ganz deutlich wahr. Und ich war nicht die einzige, die das erlebte. Man musste nicht mal daran glauben, um das selbst zu erleben. Rewa bewegt sich an einer besonderen Schwelle – und manchmal öffnen sich durch ihn Wege hindurch. Genau das machen auch die Bücher. Diejenigen, für die sie geschrieben sind, werden das in sich selbst erkennen und jedes Wort aufsaugen. Erkennen, was „Schmuck“ ist und was Wirklichkeit. Alle anderen werden die Chronica vermutlich zu anstrengend, oder „ganz nett“ finden. Sie trägt nicht die gleiche Dynamik wie „Eiderdorn“, nicht den Humor, die Leichtigkeit, oder die Spannung. Nicht die Fantasy, die Rewa in „Eiderdorn“ mit hinein gemischt hat (übrigens weniger, als man denken könnte). Die Chronica hat mehr Gewicht.
Als ich heute mit Rewa auf dem Balkon saß, wollte ich es trotzdem von ihm hören. „Wie lange hast du an der Chronica geschrieben?“
„Jahre.“, antwortete er.
Immer, wenn er das Schreiben für längere Zeit unterbrechen musste, hat er sich erst nochmal in alles Geschriebene hineinbegeben, bevor eine neue Schreibphase begann. Waren schon 200 Seiten fertig, bedeutete das, die 200 Seiten erst nochmal durchzulesen und sich neu zu öffnen. Dann schrieb er weiter.
Manchmal schrieben sich Sätze von alleine. Manchmal saß er auch stundenlang an einem Satz. Andere Male lange daran, einen Absatz zu kürzen und diesen einen Satz zu finden, der den Inhalt des ganzen Absatzes in wenigen Worten trägt. Er nahm das Buch in die Hand und las mir so einen Satz vor. Dabei zitterte seine Stimme und er kämpfte gegen die Tränen an:
„Dort rief er nicht mit lauter Stimme, sondern mit jener Macht, aus der Worte erst entstehen.“
Wenn Rewa schreibt, oder mir vorliest, dann fühle ich ihn sehr. Ihn, seine Verbindung und auch alles, was dahinter steht. Es ist auch Teil meines Weges. Dort (wie auch hier) sind wir gemeinsam zu Hause. Also ja: Wir glauben an „all das“ - mit jeder Faser unseres Seins.