Über die Herkunft der alten Schriften

Veröffentlicht am 6. April 2026 um 19:02

Beitrag von Litha:

Erste Zweifel – und gerade jetzt ist es wichtig

Kaum sind die ersten Bücher veröffentlicht, gibt es auch die ersten Zweifel, die laut werden. Vor allem jetzt, da es immer mehr Werbung über „verlorenes“ oder „geheimes“ Runenwissen gibt – natürlich eine super Marketing Strategie. Gerechnet haben wir mit Zweifeln – und natürlich hab ich meinem Mann selber schon längst die Frage gestellt: „Warum hab ihr die Originale nie der Wissenschaft gegeben?“

Jetzt, wo ich die Schriften lese, ist mir die Antwort klar. Und besonders auch jetzt - wo Irreführungen im Netz zu verantwortungslosem Herumspielen mit Runen oder Runenheilung motivieren – wollen wir, dass die Überlieferungen gelesen werden.

Gerade in dieser Zeit können wir sie gut brauchen. Weil sie Klarheit schaffen und Orientierung geben. Ordnung für Beziehungen, Familien und Gemeinschaften, die im Moment viel zwischen Überforderung, Rollenverlust und Orientierungslosigkeit stehen (das haben unsere Vorfahren auch schon durch.)

Was in unseren Händen liegt, ist kein verbotenes, ominöses Geheimwissen – es ist ein Zeugnis für etwas, das viele schon wissen: dass es unter unseren Vorfahren auch Menschen gab, die nicht nur eng mit der Natur und ihren Rhythmen gelebt haben, sondern auch gesunde Polarität zwischen Mann und Frau (oder Mann und Mann, usw) lebten und die mit einer sehr ausgewogenen Lebenseinstellung durch das Leben gingen. Mir sprechen ihre Worte voll aus dem Herzen – und sie treffen jedes Mal den Kern.

Wer heute denkt, er ist spirituell weit gekommen, geht bewusst durchs Leben und hat sich gelöst von dem schweren alten Denken – der wird beim Lesen feststellen, dass das alles nichts Neues ist. „Die Alten“ haben sogar noch viel schönere Worte dafür gefunden. Und wer in unserer Sprache spirituelle Begriffe vermisst, der wird in den Schriften fündig – auf eine nüchterne Weise, mit der alles gesagt ist.

Zu den „Originalen“ und ihrer Weitergabe

Das Hauptproblem ist jetzt wohl: die „Originale“ der Schriften liegen bei Rewas Nachfolgerin – in einer großen Blechkiste, die nur noch sehr selten geöffnet wird. Und das Wort „Originalschriften“ ist auch irre führend, denn wir sprechen von Abschriften über Abschriften von noch älteren Originalen, die trotz gründlichster Aufbewahrungsregeln längst der Zeit zum Opfer gefallen sind.

Eine ununterbrochene Weitergabe ist hier trotzdem gegeben – und es handelt sich nicht um eine Neuinterpretation. Wenn es etwas interpretiert wurde, wurde es auch streng als Interpretation gekennzeichnet. Wie alt dieses Wissen tatsächlich ist, lässt sich nicht sicher sagen. Die ältesten noch existenten Schriften in Rewas Familie sind 350 Jahre alt - schon darin wurde immer wieder von „den Alten“ gesprochen. Liest man sehr aufmerksam, kann man es auf eine sehr viel frühere Zeit zurück führen – aber das darf jeder für sich selbst heraus lesen. Leider wurde auch nie heraus gefunden, was genau die Brunnenbauer (darauf geht der Name „Brunnckow“ zurück) in der Erde gefunden hatten. Aber es hat die Familie sehr nachhaltig beeinflusst.

Jedenfalls bestanden vor 350 Jahren längst klare Regeln zur Weitergabe und Ausbildung. Ich zitiere Rewa: „Die Frau, von der wir die ursprünglichen Überlieferungen haben, wird in späteren Schriften als Völva bezeichnet. Wir wissen manches über ihr Leben und schätzen den großen Dienst, den sie uns mit der Erhaltung der Überlieferungen erwiesen hat. Und wir bezeichnen sie ebenfalls als Völva. Aus Respekt.“

Diese Völva hatte selbst noch ältere Originale in der Hand, ein Teil war jedoch im 30-jährigen Krieg verloren gegangen. Der erhaltene Teil wurde vollständig überliefert - nur den verlorenen Teil hat die Völva aus ihrem Gedächtnis und mithilfe der Familie Brunnckow und der übrigen Schüler rekonstruiert.

Damals schon gab es eine Tradition, die da sehr wichtig war: Wer die gesammelten Schriften und Gegenstände verwahren wollte, musste sie zuvor vollständig händisch abschreiben. Diese Abschriften wurden mehrfach und sehr genau überprüft, und es mussten Prüfungen abgelegt werden. So wurde sichergestellt, dass das Wissen nicht verfälscht wird und nicht allein an vergängliche Materialien gebunden bleibt. Die ältesten Niederschriften, die Rewa in der Hand hatte, waren auf teils undefinierbaren Materialien geschrieben und einige davon auch unlesbar geworden. Und da sind die Regeln der Weitergabe ganz klar definiert: Es ist untersagt worden, einfach irgendwas hinzuzudichten und zu ergänzen. Lücken werden als fehlende Absätze gekennzeichnet. Kleine Änderungen (keine inhaltlichen!) dürfen nur unter ganz strengen Gegebenheiten gemacht werden – und daran haben sich alle gehalten, auch Rewa. Unvollständiges oder Interpretiertes veröffentlichen wir in einer anderen kleinen Buchreihe. Was in Runen Wissen (ab Band 2) steht, sind die kanonischen Schriften, an denen sich über eine sehr lange Zeit kaum etwas verändert hat. Änderungen, die vorgenommen wurden, wurden dokumentiert und werden auch benannt.

Rewas Weg – Abschrift, Bewahrung und Übergabe

Wer das alles mal abschreibt, wie die Völva schon in ihrer Ausbildung getan hatte, dem bleiben die Dinge schon ganz anders hängen, als jemandem, der sie mal nur liest. Rewa hat dafür selbst Jahre gebraucht (war ein Fehler auf der Seite, musste er die Seite nochmal neu schreiben) – und danach hatte er die gesammelten Schriften 30 Jahre lang in seiner Hand. Er hat damit sein Leben verbracht, sie gelebt und angewendet – und nochmal viele Jahre aufgewendet, um sie mit seiner Nachfolgerin zusammen zum ersten Mal digital abzutippen. Jetzt sind die Originale bei ihr – und sie wird uns keine Fotos davon machen und sie auch keinem Wissenschaftler geben. So würde es jetzt gar nicht sichtbar werden. Die Familie hat alles nur sehr langsam und sehr ungerne immer mehr „freigegeben“.

Haltung und Bewahrung

Stell dir vor, du wärst in so einer Familie aufgewachsen, die immer schon ein völlig anderes Denken hatten, das mit dem kirchlich geprägten Patriarchat kaum etwas gemeinsam hatte. Sie konnten das nie wirklich sehr offen leben – und doch gab es sogar Runenhäuser, in denen gelehrt wurde (teils klösterlich getarnt). Es gibt Lehrrollen, die beschreiben, wie die Schulen optimalerweise aufgebaut und strukturiert sind. Bis hin zu den kleinsten Details.

Man muss sich aber vor Augen halten, unter welchen Bedingungen dieses Wissen bewahrt wurde: in geschützten Räumen oder Strukturen, die nach außen angepasst waren – eben doch im Verborgenen. Es war notwendig, teils sogar überlebenswichtig, die Kenntnis und Anwendung zu verheimlichen. Gerade im 16. und 17. Jahrhundert (Thema Hexenverfolgung), aber auch noch in z.B. Rewas Jugend. In der DDR war jeder gleich ein Nazi, der sich mit Runen befasst hat.

Die Vorfahren lehrten neben energetischen/ magischen Grundprinzipien auch eine sehr innige Sexualität und eine ganz andere Art der Gemeinschaft, der Rechtsprechung und der kosmischen Ordnung. Eigentlich geht es viel um die innere, aufrechte Haltung – ohne die man keine Runen in die Hand nehmen sollte. Und diese Art zu Denken und zu Leben unterschied sich maßgeblich von dem, was mit der Christianisierung aufkam. (Für mich lesen sich die Lehrrollen so, als wären sie – oder zumindest das Wissen - schon vor der Christianisierung da gewesen.)

Offener Zugang, langer Weg

Rewa hat sich lange dafür abgestrampelt, es mit dem Einverständnis der Familie zugänglich machen, womit er erstmal auf große Abwehr stieß. Und es lag jetzt auch gar nicht mehr in seinem Sinne, das noch groß zu veröffentlichen, oder jemanden überzeugen zu wollen, oder mit Fotos von den Originalschriften herumzuwedeln. Das würde sich auch für ihn falsch anfühlen. Tatsächlich glauben wir, dass auch wahrscheinlich die meisten Leute nach dem 2. oder 3. Buch aufhören werden, sich noch 30 weitere Bücher zu kaufen. Darin geht es nämlich in die Tiefe. Und was da drinnen steht, kann sich kein Einzelner einfach ausdenken. Da zitiere ich nochmal: „"In den Kodizes spricht nicht der Mut des Einzelnen, sondern die Erinnerung vieler Irrtümer."

Es liest sich nicht wie Fantasy, oder etwas Zusammengereimtes. Es sind die schönsten und nüchtensten Lebensweisheiten, die ich bisher finden konnte. Über wirklich alle Bereiche des Lebens – Die Dinge, die alle Menschen, die das ausprobieren, dann auf ähnliche Weise erleben. Ich hab noch nichts gelesen, wozu ich keinen persönlichen Bezug herstellen konnte. Alles, was ich mit den Runen (und ohne Runen) jemals selbst erlebt und erfahren habe, finde ich darin wieder. Das ist das Schönste daran: Es ist in der Selbsterfahrung absolut überprüfbar.

Falls uns irgendjemand finanzielle Motive unterstellt: Mit den kleinen Beträgen, die wir einnehmen, finanzieren wir die Veröffentlichungen. Im Moment verdienen wir daran rein gar nichts. Ich finds eigentlich gut, wenn jemand den Mut hat, uns offen anzuzweifeln – und in der Unterhaltung bleibt. Man sollte allerdings gelesen haben, was man anzweifelt.

Einladung zur eigenen Prüfung

Du kannst dich selbst überzeugen: Finde in den kanonischen Schriften etwas, das du nicht selbst nachprüfen kannst. Finde in den Schriften etwas, dem du nicht zustimmst. Finde in den Schriften etwas Mystifiziertes, usw. Und wenn dann noch Zweifel da sind, haben wir eigentlich erst eine Basis für diese Unterhaltung.

Ich schließe diesen Beitrag mit einem alten Lehrsatz für Schüler
(Einleitung der Lehrrolle: „Von der getreuen Abschrift“):

„Getreue Abschrift ist die Brücke zwischen Zeiten.
Sie trägt das Werk der Alten in die Hand der Späteren,
ohne es zu verkleiden.
Darum sei diese Abschriftrolle selbst ein Maßstab:
Wer nach ihr arbeitet, wird weniger Fehler machen,
weniger Unordnung stiften, und mehr von dem bewahren,
was bewahrt werden soll.

Denn nicht der, der Neues erfindet,
hält den Kanon am Leben,

sondern der, der das Alte rein weiterträgt.
Und rein ist, was nicht nach dem Willen des Abschreibers geformt ist,
sondern nach der Gestalt der Vorlage steht – still, klar und getreu.“

Litha lehnt zwischen zwei Bäumen - sie fühlt und nimmt wahr im Wald.