Beitrag von Litha
Bist du auch müde von spirituellen Begrifflichkeiten? Schamanen, Heiler, Coaches - ein Hilfesuchender - hunderte von Deutungen und Meinungen bei ein und der selben Sache. Begriffe, die großflächig genutzt werden, die aber jeder mit seinen eigenen Ansichten definiert. Das Ergebnis spaltet die Gemüter mit kunterbunten Vorstellungen, Versuchen, Vertrauensverlust und Fehldeutungen.
Dadurch werden Begrifflichkeiten und der Verstand immer mehr ausgeklammert und als etwas Negatives betrachtet. Echte Verlässlichkeit entsteht aber im Zusammenspiel - Bauch UND Herz UND Verstand.
Aus diesem Grund beginnt das Studium der Überlieferungen (ab Runen Wissen 3) zunächst mit der Definition einer einheitlichen energetischen Fachsprache. Eine geordnete Deutungssprache, die die freie Beobachtungsprache, wie wir sie alle nutzen, ergänzt.
Anstrengend? Ja, ab hier wird Zeit investiert. Denn die begriffliche Rückbindung ist eine Schulung der Wahrnehmung, die am Ende einen feinen, aber entscheidenden Unterschied macht.
Ein typisches Szenario in der Coachingwelt: Ein Coach/Schamane bemerkt einen großen Energieverlust bei einer Person, erfährt von einer kürzlich beendeten Beziehung und erklärt, dass noch ein Ritual zum Loslassen gut wäre, weil die vergangene Beziehung immer noch als Ballast an der betroffenen Person haftet. Daraufhin wird ein gemeinsames Ritual nach Bauchgefühl durchgeführt und hinterher "nachgespürt", ob es eine Veränderung gegeben hat. Beobachtungen werden gemeinsam besprochen. Vielleicht ist Wärme fühlbar, es fühlt sich nach einem Abschluss an. Die Person fühlt sich entspannter und hat mehr Energie, oder sie fühlt sich erst mal ausgelaugt.
In einer guten Begleitung gibt es oft nochmal eine Nachbesprechung, ein Nachspüren, oder einen weiteren energetischen Impuls. Anschließend geht die Person dann wieder ihrem Alltag nach. Vielleicht mit Motivation und einem guten Gefühl. Vielleicht mit dem Gefühl von „Geldverschwendung“, oder mit einer Unklarheit, ob es was gebracht hat – und wenn ja, wie lange? Es ist Bauchgefühls- und Beobachtungsarbeit, die manchmal hilft, manchmal nicht, manchmal ein bisschen. So ganz genau kann das keiner sagen. Kennen wir alle.
Aus diesem Grund wurde der Codex verfasst. Um Vergleichbarkeit zu schaffen und einen gemeinsamen Maßstab zu finden. Wie in unserer medizinischen Fachsprache auf Latein, die sogar länderübergreifend verstanden werden kann. Eine Fachsprache ermöglicht es, Erfahrungen gemeinsam zu prüfen, Protokolle zu ergänzen, Grenzfälle zu erkennen und das Wahrgenommene verlässlich zu deuten.
Klare Benennungen, die so sparsam wie möglich, aber ausreichend genug definiert sind, um Selbsttäuschung, Wunschdenken, falsche Deutungen und Fehlordnungen auf ein Minimum zu reduzieren.
Die meisten Fehler entstehen durch falsche Interpretation. Wirkt jemand nach einem Ritual müde, hält man als Beobachtung „Müdigkeit“ fest. In der Szene, in der alles möglichst positiv gedeutet wird, ist die Standartfloskel: „Müdigkeit gehört dazu und ist ein gutes Zeichen. Da hat sich was gelöst, eine kurze Erschöpfung ist normal.“
Hierin steckt bereits eine Interpretation. Hiervor warnt der Codex:
„Der Mensch neigt dazu, angenehme Deutungen zu wählen und unangenehme zu meiden. Er nennt Bindung gern Nähe, Maßfehler gern Schwankung, Überhebung gern Erfolg. Der Codex jedoch kennt solche Schonworte nicht. Er zwingt zur klaren Benennung dessen, was ist.“
Bei der Beobachtung von Müdigkeit wird genauer hingesehen: Ist es tatsächlich eine Erschöpfung? Dann wurde Ruhe angeordnet. Hat aber vielleicht auch eine „Entleerung“ stattgefunden? („Der Verlust tragender Kraft infolge Überlösung oder Fehlführung“ – erkennbar z.B. an Schwäche, Schwindel und Kälte). Dann wurde nicht Ruhe angeordnet, sondern eine Stabilisierung in einer sanften Nachführung. Und eine Rückführung in eine natürliche Eigenordnung. Findet keine Stabilisierung statt, hat man trotz der besten Absichten mit seiner Arbeit eine Bahn für Fremdprägung und Abhängigkeit geöffnet.
Ebenso wäre bei der Person im obigen Beispiel vor dem Ritual genau geprüft worden: Fehlte es beim Beenden der Beziehung an Lösung, Abschied oder der rechten Trennung?
Und nach dem Ritual wurde gefragt: War der Verlauf und das Ausklingen des Rituals tragfähig? Hat Lösung und Schließung mit Maß stattgefunden, oder gab es eine Überlösung, oder einen Nachdruck? Führt der Nachhall in die Ruhe oder Selbstnährung? Trägt die Restwirkung die neue Ordnung?
Gleichzeitig galt es aber auch zu wissen, wann die „Nachruhe“ zu achten war: „Wer in der Nachruhe weiter prüft, weiter deutet, weiter „hört“, öffnet die Schwelle abermals.“
Wie man all diese (und noch mehr) Dinge erkennen, führen und deuten lernt, steht in den Codices beschrieben. Ja, es klingt erst mal alles ein bisschen kompliziert. Wenn man Band 3 von Runen Wissen einfach nur durchlesen will, wird man schnell müde. Ohne Erfahrung mit Energiearbeit auch. Es ist etwas für Praktiker, die nicht weiter nach Versuch und Irrtum arbeiten wollen. Es ist für Praktiker, die von gesammelten Erfahrungen profitieren und studieren wollen – um sich eine wirklich verlässliche „sichere“ und überprüfbare energetische Arbeit aufzubauen. Diese Leitfäden funktionieren nicht nur für die Arbeit mit Runen. Sie sind auf jedes energetische Wirken und auf Rituale generell anwendbar.
Falls du denkst, dass du auch Spaß am Studieren von diesem Wissen hast, bilden wir gerne eine Austausch-/Studiergruppe auf Grundlage der Bücher. Für die Strebsamen. : ) Braucht ein bisschen Biss, Zeit und Durchhaltevermögen.
Ich stecke mitten drinnen - ob mit, oder ohne dich. Aber gemeinsam ists schöner und leichter.
Deine Litha
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