Beitrag von Litha
Runenverkauf auf Mittelaltermärkten?
Vor ein paar Jahren sagten wir noch: Runen sind nichts für den Verkauf auf Märkten. Zum einen sehen die Menschen meist nur: Ein Stück Holz, Knochen oder Horn – und eine gelaserte Rune drauf. Ist das nicht sowieso neumodisch? Und wie lange kann es schon dauern, sowas anzufertigen… eine halbe Stunde?
Zum anderen sind Runen individuell und maßgeschneidert – was dem einen zuträglich ist, ist nicht das Richtige für den anderen. Gebrauchsweihe kommt hier nicht in Frage. Rituelle Weihe ist in der Menge nicht umsetzbar. Und Runen sind für uns auch keine Vitamintabletten. Magisch gesehen gibt es noch allerhand mehr, das dagegen spricht.
Außerdem dachten wir: "viel zu aufwendig, um sie „für lau“ auf einem Markt anzubieten."
Welches Trägermaterial, welche Rune?
Was man nicht sehen kann ist, mit welcher Verbundenheit wir einen Ast wählen und wie lange wir in ihn hinein lauschen und seine Form, sein Wesen auf uns wirken lassen, noch ehe wir ein Werkzeug in die Hand nehmen.
Man sieht auch nicht, mit welcher Vorsicht wir immer wieder eine Kerbe schnitzen, oder eine Fläche schleifen und dabei den Energiefluss neu ertasten. Mit welcher Hingabe wir uns dem Rohling widmen, um seine Besonderheiten heraus zu arbeiten… Form belassen oder Form geben?
Es ist kein Handwerk, das wir in jeder Stimmung ausüben können. Es fordert Achtsamkeit, nicht zu viel Emotion von uns selbst an einen Rohling zu haften, der noch auf einen anderen Menschen geprägt werden soll. Nicht so viel durch uns geprägt, dass der Rohling als Träger seiner Selbstordnung nicht mehr folgen kann. Und nicht so wenig, dass er die neue Ordnung nicht kennt.
Beide Wege sind nicht schnell: Wenn die Rune bereits feststeht und ein passendes Trägermaterial / ein passender Träger für sie gefunden werden muss. Oder wenn wir an einem Rohling arbeiten und hinein lauschen, welche Rune er tragen soll? Die Wirkung soll die Selbstordnung des Rohlings stärken – nicht ersetzen.
Die schönste Fläche für die Rune ist nicht immer die beste
Wenn beides gefunden ist, wird noch einmal genau geprüft, auf welche Fläche / an welche Stelle genau die Rune kommt. Erst kürzlich hat Rewa dabei wieder eine Überraschung erlebt. Ein Stückchen Horn, auf das die Rune sollte. Gedacht war: in der Mitte des Stückes, so wie es vermutlich jeder denken würde. Jetzt sitzt die Rune aber mehr am Rand. Auf den ersten Blick kann es wie fehlendes Augenmaß wirken, oder wie unsaubere Arbeit. Doch die Rune ist genau dort gesetzt, wo sie hingehört. Was Rewa nach über 50 Jahren Runenarbeit jetzt gestern erst gelernt hat ist, dass mit zunehmender Materialstärke durch eine "Verschiebung" der Rune zusätzlich zur natürlichen Streuung des Horns eine Art "Kernfluss" erreicht werden kann. Er sagte dazu nur: „Man wird alt, wie ne Kuh und lernt immer noch dazu.“
Das ist der Punkt, an dem wir keine Kompromisse eingehen. Wenn die Fläche für die Rune optisch perfekt ist, aber dort einfach der Fluss nicht stimmt, oder die Fasern dort quer laufen, dann verläuft unsere Rune am Ende eben auch quer. Oft sind es Runen, die wir hier zu Hause behalten, weil sie für das schnelle Auge auf den Märkten „verrutscht“ wirken. Eine Rune weniger für den Verkauf. Aber dem Handwerk treu geblieben.
Dann schmelzen wir Bernsteinpulver um die Rune herum
Bis zu dem Punkt, an dem wir die Rune setzen können, ist also bereits eine Menge Zeit vergangen. Und dann kommt der Laser. Ja, hier nutzen wir ein neues Werkzeug. Bis vor 2-3 Jahren haben wir Runen immer per Hand geritzt, mit einem roten Feuerstein, oder unseren Messern. Manchmal bevorzugen wir das immer noch.
Warum wir die Runen nun meistens lasern, haben wir bereits ausführlich hier beschrieben:
Die Runenweihe
Doch damit ist es immer noch nicht getan! Es hat noch keine Öffnung stattgefunden. Die Rune kennt noch immer ihre Aufgabe, ihre Dauer, ihr Maß und die Führung nicht. Erst mit einer Runenweihe wird sie in ihre Kraft gehoben. Dazu später mal mehr.
Jede Rune ein Schlüssel
Nach der Weihe sind also die Runen endlich fertig für den Markt. Und ja – sie stellen sich auf jeden Menschen anders ein. Was allerdings mit einer individuellen Rune im persönlichen Kontakt möglich wäre, findet man so noch nicht heraus. Zumindest aber können wir die Runen, die wir mitbringen, mit gutem Gewissen auch in die breitere Menschenmenge geben. Sie sind zeichengebunden, nicht trägergebunden – das macht den Unterschied.
Freunde, die um den Aufwand und den Wert wissen, versuchen uns öfter mal zu bestärken, unsere Runen teurer zu machen. Wenn wir an ein Amulett, an dem wir drei Tage lang gearbeitet haben, 18€ dran schreiben, kommt das nicht aus der Hoffnungslosigkeit heraus, sondern aus dem Vertrauen.
Menschen, die zunächst nur ein einfaches Stück Holz mit einem hübschen Symbol darauf sehen, lassen sich mit diesem Preis noch leichter darauf ein. Umso mehr Menschen sich von den Runen irgendwie angezogen fühlen, umso mehr sind dabei, die unbewusst „Etwas“ darin fühlen können. Die Sinne sind bei vielen ungeübt, aber das Unterbewusstsein nimmt es trotzdem wahr. Wir geben unsere Runen wie Fackeln oder Schlüssel in die Welt. Manchmal kommt es vor, dass jemand, der bis dahin noch keinen Bezug hatte, die Verbindung bemerkt und sich an einer neuen Schwelle wiederfindet. Jemand, der einen neuen Bezug zu sich selbst und der Natur aufbauen wird. Oder vielleicht ein neuer Runer? Das würde uns freuen.
Ganz uneigennützig ist es allerdings wirklich nicht. Gewissermaßen haftet an jeder Rune, die wir rausgeben, auch ein feiner Draht zu uns. Wenn wir Runen "streuen", dann passiert es schneller, dass von diesen Menschen, oder von Menschen aus ihrem Umfeld, am Ende auch diejenigen zu uns finden, die die Familienüberlieferungen mit uns tragen wollen. Denn sie wiegen schwer für einen Einzelnen. Wir sind da und warten auf diejenigen, für die es geschrieben ist. Jeder Mensch, der es spüren kann und die Fackel oder den Schlüssel zu nutzen weiß, findet darin ein Tor. So tragen unsere Runen auch ein Geheimnis, das nur der entdecken kann, der es bereits schon in sich trägt.