Runentattoo oder Amulette tragen?

Veröffentlicht am 20. Juli 2026 um 10:12

Beitrag von Litha:

Runen auf lange Zeit 

Runentattoo – hast du schon mal drüber nachgedacht, oder trägst du so ein Tattoo? Über das Tragen von Zeichen kann man ein ganzes Buch füllen, kannst du dir das vorstellen?

Was sicher jeder weiß: Alles, womit man sich dauerhaft umgibt, oder was man dauerhaft zu sich nimmt, hat seinen Haken, oder mit der Zeit seine Nebenwirkungen. Dauermedikationen werden von den Ärzten irgendwann mit einem anderen Mittel ausgetauscht. Mit den immer gleichen Menschen im Umfeld läuft es nicht dauerhaft rund und der Tee, der toll gegen die Bauchschmerzen geholfen hatte, verursacht plötzlich Kopfschmerzen, wenn man ihn pausenlos weiter trinkt. Mit den Runen ist es nicht anders:

Du veränderst dich ständig und die Rune sucht immer wieder ihre Aufgabe. Dabei verbindet sie sich eng mit dem, was in deinem Unterbewusstsein vor sich geht. Das, wofür die die Rune brauchst, ist irgendwann nicht mehr da. Die Rune hört dann aber nicht einfach auf zu wirken. Sie sucht sich eine neue Aufgabe. Und je nachdem, ob es eine Rune ist, die etwas bewahrt, oder die "geht" - bewahrt sie dann Dinge, die gar nicht bewahrt werden soll, oder zieht/treibt dich weiter, wenn eigentlich gerade Ruhe dran ist.

Ist es eine schützende Rune, macht sie dich irgendwann müde, wie eine schwere Rüstung, die du niemals ablegst. Ist es eine gehende Rune, macht sie dich auch irgendwann müde, weil die nie wirklich Rast machen kannst. Die Vorfahren nannten das "Runenmüdigkeit".

Tätowierungen mit Runen sind nicht neu

Verwendet wurden jedoch eher Hautbemalungen. Über das Tragen von Zeichen möchte ich dir etwas aus den Überlieferungen zitieren:

"Hieraus folgen notwendige Regeln, die du nicht als bloße Empfehlung, sondern als verbindliche Ordnung zu verstehen hast.

Erstens: Trage kein Amulett ohne Unterbrechung über lange Zeit, alldieweil jede fortgesetzte Einwirkung das Maß verschiebt. Auch wenn die Wirkung anfangs klar und wohlgeordnet erscheint, so wird sie durch ununterbrochene Dauer notwendigerweise verändert, da kein Träger in unveränderlichem Zustand verbleibt.

Zweitens: Lege das Werk in Zeiten der Ruhe ab, insonderheit im Schlaf, alldieweil der Träger alsdann nicht ordnend wirkt. Im Schlaf ist die Grenze zwischen innerer und äußerer Einwirkung gelockert, weil das Bewußtsein nicht führt und nicht unterscheidet. Eine Einwirkung, die in solcher Zeit fortbesteht, dringt ungeführt in tiefere Schichten ein und vermag dort Wirkungen zu entfalten, die weder beabsichtigt noch leicht zu ordnen sind.

Drittens: Gewöhne dich daran, Zeiten der Wirkung und Zeiten der Abwesenheit zu setzen. Diese Ordnung der Zeit ist nicht nebensächlich, sondern grundlegend, weil nur durch sie das Verhältnis zwischen Werk und Träger klar bleibt. Wo keine solche Ordnung ist, da entsteht unmerklich eine Vermischung, die das Werk entstellt und den Träger verwirrt."

Und wenn du jetzt darüber nachdenkst, die Runen dann eben in einem Bild zu verschnörkeln, hierzu auch noch ein schönes Zitat:

"Viele Gesellen machen aus Runen bloße Ornamente: sie zieren, sie krümmen, sie schmücken. Das mag dem Auge gefallen, doch der Rune nicht. Denn die Rune liebt das klare Maß. Wo du schmückst, da lügst du der Linie vor, sie sei etwas anderes, als sie ist."

Was also nun, wenn das Tattoo schon gestochen ist?

Runen auf dem Körper kann man nicht wirklich dauerhaft „deaktivieren.“ Vielleicht mal kurz, aber dann beginnt wieder eine neue Öffnung. "Covern" bringt gar nichts, Die Rune ist ja schon mit dir verbunden. Selbst eine Hautbemalung, die du wieder wegwischt, beendet nicht die Wirkung. Es gehört noch ein Schließen dazu.

Wenn die ursprüngliche Aufgabe, für die sie gesetzt wurden, bereits beendet ist, sucht sich die Rune eine neue Aufgabe. Runen auf dem Körper nehmen immer Einfluss. Ich bekomme das Haareraufen, wenn ich lese: Konter-Runen spiegelverkehrt drüber stechen. Bitte auf keinen Fall! Das macht es nur schlimmer und bringt noch mehr Unordnung.

Es gibt nur zwei Wege: Du brennst sie mit dem Laser weg, oder du lernst, mit der Rune umzugehen und wahrzunehmen, wann ihr Einfluss mitmischt. In diesem Zuge kannst du die Rune für dich neu prägen, wenn du deine Verbindung zu ihr geklärt hast. Streckenweise kann man so ein Tattoo auch mal mit einem Meltan "ableiten". Das ist aber keine Dauerlösung. Und du wirst immer wieder mit der Rune „arbeiten“. Wenn du damit Hilfe brauchst, schreib uns gerne.

Persönliches Fazit:

Rewa trägt ja auch ein Runentattoo. Es hält für ihn eine sehr intensive Verbindung, die sich aus seinen schamanischen Reisen herauskristallisiert hat. Ich denke: eigentlich ist es wie eine Eheschließung. Ist die Liebe groß genug, verbringt man das restliche Leben in einer bestimmten, gemeinsamen "Färbung". Das klappt auch nicht, ohne zwischendurch mal müde zu werden, oder Dinge in Kauf zu nehmen, mit denen man alleine nicht konfrontiert wäre. Alleine sein ist definitiv einfacher. Trotzdem kann ein Band so stark sein, dass das Tattoo diese Verbindung mitträgt - wie ein Partner, der für beide heim findet, während der andere zwischendurch fortgeht.

Ich schreibe aber immer Nein zum Runentattoo, weil das nur sehr selten der Fall ist, dass jemand tatsächlich so eine tiefe Verbindung findet, dass sie durch Zeiten und Rhythmen und Höhen und Tiefen auf eine gesunde Weise dauerhaft präsent bleiben kann. Das ist genauso selten, wie DER Partner fürs Leben, mit dem man bis zum letzten Tag immer noch lieben, Hände halten und lachen kann. Wer das findet, der kann sich auch tätowieren lassen (dann betrifft es allerdings auch die gemeinsame Verbindung mit dem  tatsächlichen Partner). Aber wie oft hast du schon gedacht "fürs ganze Leben" - und dann war es doch nicht so? Wer sich hier irrt, kann sich leider nicht mehr so leicht scheiden lassen. Du kannst die Rune nach dem Schließen tilgen, indem du sie weglasern lässt. Doch selbst dann bleibt ein Nachhall, wie von einer vergangenen Beziehung, die eine starke Prägung hinterlassen hat.

Alles Liebe
Litha