Warum Rewa die Schriften nicht der Wissenschaft übergeben hat

Veröffentlicht am 25. Oktober 2026 um 17:04

Beitrag von Litha

„Habt ihr noch nie daran gedacht, das Historikern und Runenforschern unter die Nase zu strecken?“

Doch. Rewa hat es mir erzählt, mit einem leicht bitteren Ton in seiner Stimme. Ich hab heimlich ein Video davon gemacht, damit ich mir das alles merken kann. Vielleicht bekomme ich ihn dazu überredet, euch das auch nochmal selbst zu erzählen. Hier das Wichtigste:

Projekt "RuneS"

Vor ungefähr 15 Jahren hatten sich Rewa und Ahira (sie bewahrt jetzt nachfolgend in der Familie die Originale) an das Forschungsprojekt „RuneS“ gewandt. Sie wollten den Wissenschaftlern Zugang zu den alten Familienüberlieferungen ermöglichen. Von der Universität Göttingen wurden sie schließlich an die Verantwortlichen in Kiel weitergeleitet.Dort erklärte man ihnen, dass die Überlieferungen nicht zum laufenden Forschungsprojekt gehörten.

Und das ist schon nachvollziehbar. Eine Sammlung von Lehrrollen und Lehrschriften, in denen es um Runenmagie, ihre Anwendung und ihre Weitergabe geht, stellt ganz andere Forschungsfragen als die Untersuchung historischer Runeninschriften.

RuneS beschäftigte sich vor allem mit der runischen Schriftlichkeit, ihrer Entwicklung und ihrer sprachwissenschaftlichen Einordnung. Nicht mit der überlieferten magischen Praxis im Umgang mit den Runen.

Originale einlagern

Die Verantwortlichen in Kiel zeigten aber dennoch Interesse und wollten die Überlieferungen gerne einlagern. Allerdings unter einer Bedingung: Rewa hätte sämtliche verbliebenen Originale aus der Hand geben müssen. Auf unbestimmte Zeit. Ohne Zusage, wann oder ob die notwendigen Mittel für eine wissenschaftliche Bearbeitung jemals zur Verfügung stehen würden. Rewa und Ahira lehnten das ab.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert zwar ausdrücklich die Erschließung historischer Handschriften und privater Sammlungen. Dafür müssen jedoch unter anderem die wissenschaftliche Bedeutung, die Zugänglichkeit und die Rechteverhältnisse geklärt werden. Eine Universität kann deshalb eine Sammlung für aufbewahrenswert halten, ohne bereits über die Mittel zu verfügen, sie wissenschaftlich zu bearbeiten.

Das realistische Szenario war also: Die Originale liegen sicher verwahrt. Vielleicht werden sie inventarisiert. Vielleicht interessiert sich irgendwann ein Wissenschaftler dafür. Und möglicherweise ist irgendwann das Geld dafür da und daraus entsteht ein passendes Forschungsprojekt - aber niemand kann sagen, wann, oder ob überhaupt.

Es wäre durchaus denkbar gewesen, dass die Schriften auch nach zwanzig Jahren noch keiner umfassenden Untersuchung unterzogen worden wären. Und selbst wenn die Mittel irgendwann bewilligt worden wären, hätten Sichtung, Katalogisierung und wissenschaftliche Bearbeitung sicherlich weitere Jahre beansprucht.

Es geht um mehr als alte Schriften

Rewa konnte also nicht damit rechnen, dass das noch zu seinen Lebzeiten zu irgendeinem Ergebnis führt. Nun hatte er also bereits viele Jahre auf seine Familie eingewirkt, um überhaupt öffentlich erzählen zu dürfen, dass diese Überlieferungen existieren. Danach vergingen noch einmal Jahrzehnte, in denen er Stück für Stück darum rang, auch Inhalte daraus weitergeben zu dürfen. Und endlich, als er sie der Wissenschaft zugänglich machen konnte, gab es zwar Interesse an ihrer Aufbewahrung, aber keine konkrete Aussicht auf ihre Erforschung.

Dazu kommt: Für die Familie sind es keine veralteten Pergamente in alten Kisten. Es sind ihre spirituellen Wurzeln. Eine Überlieferung, die nicht nur aufbewahrt, sondern über Generationen weitergegeben, gelehrt und praktiziert wurde.

So viele Menschen sind heute traurig, weil sie glauben, dass aus der vorchristlichen Zeit, fernab der Kirche, kaum noch etwas von dem erhalten geblieben ist, was unsere Vorfahren einst wussten und taten.

Doch in der Familie Brunnckow lebt eine Überlieferung, die nach ihrem eigenen Verständnis bis in die Zeit des älteren Futhark zurückreicht.

Und das nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Alltag.

In einem Umfang, den ich selbst erst nach und nach zu begreifen beginne.

Und Psssst, ganz unter uns: 

Rewa ist auch nicht der einfachste Typ. Er hat was Großartiges in der Hand. Hat sich sein Leben lang dafür eingesetzt. Ist bereit zu teilen. Und Geduld und "Bitte, bitte" sind nicht gerade die Stärke von einem Nordlicht, das sich selbst "großkotziger Fischkopp" nennt. Für ihn sind die Dinge dann ganz einfach: Ihr kommt nicht zu Potte? Pech gehabt. Dann macht er es selbst. Muss ja keiner lesen, der nicht will. 

Sprich: für Marketing und Überzeugungsarbeit völlig ungeeignet.
Davon verstehen wir leider beide nicht viel.

Wir sind wohl einfach im Vertrauen, dass es zu denjenigen findet,
für die es ein Schlüssel ist. Das sind vielleicht nicht viele Menschen. 
Aber welche, die beim Lesen etwas Besonderes fühlen können. 
Die sich die Zeit nehmen, die Dinge auszuprobieren und die merken:

Es ist erfahrbares Wissen. Man kann es einfach selbst erleben.
Man muss nicht einfach irgendwas glauben. Das Vertrauen wächst von selbst mit, wenn man dann doch tut, was man will - und die Konsequenzen in Kapiteln wie "Häufige Fehler und Eskalationen" wiederfindet. 

Die Schriften stehen bereits überzeugend für sich selbst. 

Erst lesen. Dann meckern.